Freitag, 17. September 2010

Die Blockade der Schwarzen Dame

Katze Schwarz hat ein sonniges Gemüt. 
Anderen ihre Fehler nachzutragen ist nicht ihre Art. 
Irgendwann lernt der Menschenmann schon noch, dass der Sessel ihr gehört.
Wenn Katze Weiß mal wieder den Boss heraus kehrt und Katze Schwarz aus der Hängematte scheucht, sucht sich das schwarze Katzentier einfach ein anderes Plätzchen. 
Ärgern lohnt sich nicht. 

Will Katze Weiß spielen, spielt Katze Schwarz mit.
Hat Katze Weiß keine Lust mehr zu spielen, spielt Katze Schwarz halt allein weiter.
Will Katze Weiß an den Futternapf, macht Katze Schwarz Platz.
Hat Katze Weiß ein dringendes Bedürfnis, rückt Katze Schwarz  ein Stück zur Zeit, damit das Kistchen für zwei reicht.
Denn Katze Weiß ist der Boss, und Katze Schwarz ist das ziemlich egal.

Doch dann wird Katze Weiß übermütig.

Vorwitzig dringt sie in das ureigenste Territorium der Katze Schwarz ein: 
auf den Kleiderschrank im Schlafzimmer.
Von jeher der privateste Privatbesitz der Katze Schwarz. Dort oben hat sie auf der Modeleisenbahnschachtel des Menschenmannes ihr Schlafquartier bezogen.
Jetzt liegt Katze Weiß oben auf dem Schrank und putzt sich nonchalant den Staub aus dem Fell.

Katze Schwarz sitzt auf der Wäschekommode und starrt auf Katze Weiß.
Die. Auf. Ihrem. Schrank. Sitzt.
Wie eine Statue sitzt Katze Schwarz da, jeder Muskel angespannt, und lässt Katze Weiß nicht aus den Augen.
Regungslos.

Menschenfrau und Menschenmann wechseln einen fragenden Blick, zucken die Schultern und löschen das Licht.

Fünf Minuten später.
Geraschel auf dem Schrank. Katze Weiß wandert umher. Auf dem Schrank. 
Der Schatten auf der Wäschekommode bleibt regungslos sitzen.

Weitere fünf Minuten später.
Geraschel vom Kleiderständer neben dem Kleiderschrank.
Die Menschenfrau horcht auf.
Denn dass der Kleiderständer nicht stabil genug ist, um das Gewicht der Katze Weiß zu tragen, haben Katze Weiß und die Menschenfrau bereits früher leidvoll erfahren müssen.
Das Geraschel verstummt. Ah - Katze Weiß erinnert sich auch noch daran.
Der Schatten auf der Wäschekommode harrt regungslos aus.

Noch weitere 5 Minuten muss das weiße Katzentier auf dem Schrank wandern, dann erbarmt sich die Menschenfrau.
Macht das Licht an.
Holt die Leiter aus der Ecke.
Steigt hinauf und pflückt das weiße Katzentier vom Kleiderschrank.

Katze Schwarz beobachtet das Treiben regungslos von der Wäschekommode aus. Als Katze Weiß sich auf dem Bett zusammenrollt, springt Katze Schwarz von der Kommode und verschwindet im dunklen Flur. 



Die Menschenfrau schwört Stein und Bein - ein kleines Lächeln lag dabei um die Schnauze der Katze Schwarz.

Denn Katze Schwarz weiß:
Katze Weiß kennt nur einen Weg vom Schrank hinunter - und der führt über die Wäschekommode ...

Kommentare:

  1. :)
    Ich denke, die Menschenfrau schwört keinen Meineid ...

    Lg und ein schönes Wochenende Euch allen!

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  2. Hehe, manchmal kann man echt glauben, unsere Fellnasen hätten doch so ein gewisses menschliches etwas im Gemüt^^

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  3. Oh ja!!
    Und ich finde es immer wieder beruhigend, wenn ich Situationen erlebe, in der das schwarze Tierchen sich ganz schön clever dem Willen des weißen Moppelchens entzieht. Tut der weißen Diva wirklich gut, wie ich finde.

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